Split-Wärmepumpe Außengerät

Erforschung und Erprobung von Wärmepumpenlösungen in den Office-Räumlichkeiten von effiziente.st

Hintergrund und Motivation

Die steigenden Energiepreise, insbesondere während der Gaspreiskrise, haben zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit alternativen Heizmethoden geführt. In diesem Kontext entstanden verschiedene experimentelle Ansätze zur Stilllegung konventioneller Gasthermen in bestehenden Gebäudestrukturen. Die Räumlichkeiten von effiziente.st dienten dabei als Testumgebung für innovative Einzellösungen in drei verschiedenen Zimmern mit insgesamt vier unterschiedlichen Geräten.

Diese Versuchsanordnung entstand primär aus dem akuten Zeitdruck heraus und stellt daher zunächst prototypische Lösungsansätze dar. Der experimentelle Charakter dieser Installationen ermöglichte es, verschiedene Anpassungen und Modifikationen zu erproben, die möglicherweise zur Entwicklung wohnungstauglicher und normkonformer Lösungen beitragen könnten.

Es ist wichtig zu betonen, dass alle hier beschriebenen Maßnahmen und Ergebnisse als vorläufige Erfahrungswerte zu verstehen sind und keineswegs als allgemein übertragbare oder garantierte Lösungen betrachtet werden sollten.

Angestrebte Ziele und mögliche Vorteile

Welche Verbesserungen könnten theoretisch mit alternativen Heizmethoden erreicht werden?

Die Motivation für diese experimentellen Ansätze basierte auf verschiedenen potentiellen Vorteilen, deren tatsächliche Realisierbarkeit jedoch stark von den individuellen Gegebenheiten abhängt:

  • Potentielle Kosteneinsparungen: Je nach Energiepreisentwicklung und individueller Nutzung könnten sich unter bestimmten Umständen Einsparungen bei den Heizkosten ergeben, wobei diese stark von verschiedenen Faktoren wie Außentemperaturen, Gebäudedämmung und persönlichem Heizverhalten abhängen.
  • Mögliche CO2-Reduktion: Abhängig vom regionalen Strommix und der Effizienz der eingesetzten Systeme könnte theoretisch eine Verringerung der CO2-Emissionen erreicht werden, wobei eine ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus der Geräte erforderlich wäre.
  • Erhöhte Unabhängigkeit: Eine Diversifizierung der Energiequellen könnte unter bestimmten Umständen zu einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen führen.
  • Zusätzliche Kühlmöglichkeiten: Viele der erprobten Systeme bieten auch Kühlungsfunktionen, was in zunehmendem Maße relevant werden könnte.

Durchgeführte Vorarbeiten und Gebäudeoptimierungen

Welche begleitenden Maßnahmen wurden zur Effizienzsteigerung umgesetzt?

Parallel zu den Heizungsexperimenten wurden verschiedene energetische Verbesserungsmaßnahmen am Gebäude vorgenommen. Diese Maßnahmen dienen sowohl der Effizienzsteigerung als auch der Schaffung besserer Voraussetzungen für alternative Heizsysteme:

  • Fenstererneuerung: Installation einer Doppelverglasung als Innenflügel der bestehenden Kastenfenster. Diese Maßnahme zielt auf eine Verbesserung der Wärmedämmung ab, wobei die tatsächlichen Einsparungen je nach ursprünglichem Zustand der Fenster variieren können.
  • Innendämmung: Anbringung einer mineralischen Innendämmung auf Basis von Calciumsilikat (CaSi). Diese Lösung wurde gewählt, um Wärmebrücken zu reduzieren und die Oberflächentemperaturen der Innenwände zu erhöhen, was sich positiv auf das Raumklima auswirken könnte.
  • Solarthermische Unterstützung: Installation einer Balkon-Solarthermie-Anlage zur möglichen Warmwasserunterstützung und Heizungsergänzung. Die Effizienz solcher Systeme hängt stark von der Ausrichtung, Verschattung und den lokalen Wetterbedingungen ab.
  • Photovoltaik-Ergänzung: Aufbau eines PV-Balkonkraftwerks zur teilweisen Eigenstromerzeugung. Diese Maßnahme könnte unter günstigen Bedingungen zur Deckung eines Teils des durch die Wärmepumpen verursachten Stromverbrauchs beitragen.

Es ist zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Maßnahmen stark von den spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes und den lokalen Bedingungen abhängt. Die hier beschriebenen Erfahrungen sind daher nicht ohne weiteres auf andere Objekte übertragbar.

Erprobte Energieumwandlungssysteme

Welche verschiedenen Wärmepumpen-Konzepte kommen zum Einsatz?

Im Rahmen der Versuchsanordnung wurden verschiedene Arten von Luft-Luft-Wärmepumpen bzw. Klimaanlagen mit Heizfunktion installiert und erprobt. Die Auswahl erfolgte dabei sowohl aufgrund der baulichen Gegebenheiten als auch zur Sammlung von Erfahrungen mit unterschiedlichen Systemansätzen:

  • Abluft-Luft-Systeme mit Rollladenintegration: Diese Geräte nutzen die vorhandenen Rollladenkästen als Durchführung für die Luftströme. Die Integration in bestehende Baustrukturen könnte für Mieter interessant sein, da keine wesentlichen baulichen Eingriffe erforderlich sind. Allerdings sind die erreichbaren Leistungen begrenzt und stark abhängig von den Außentemperaturen.
  • Konventionelle Luft-Luft-Systeme mit Rollladennutzung: Ähnlich dem ersten Ansatz, jedoch mit bidirektionalem Luftaustausch. Diese Variante ermöglicht sowohl Heiz- als auch Kühlbetrieb, wobei die Effizienz je nach Jahreszeit und Außentemperaturen schwankt.
  • Split-Klimaanlagen mit Außengerät im Schacht: Diese Lösung nutzt vorhandene Licht- und Lüftungsschächte zur Unterbringung der Außeneinheiten. Die Platzierung im Schacht könnte Vorteile bezüglich Lärmemission und optischer Beeinträchtigung bieten, allerdings könnten sich auch Nachteile durch eingeschränkte Luftzirkulation ergeben.

Alle diese Systeme befinden sich noch in der Erprobungsphase, und ihre langfristige Bewährung sowie ihre Übertragbarkeit auf andere Gebäude sind noch nicht abschließend bewertet.

Mögliche Kooperationen und Dienstleistungen

Welche Formen der Zusammenarbeit könnten entstehen?

Forschungskooperation mit Herstellern: Die Räumlichkeiten und das erworbene Erfahrungswissen von effiziente.st könnten potentiell für Entwicklungspartnerschaften mit Wärmepumpenherstellern genutzt werden. Besonders interessant wäre die gemeinsame Entwicklung von Geräten, die speziell für die Herausforderungen historischer Gebäude konzipiert sind. Solche Kooperationen würden allerdings eine detaillierte Abstimmung der Ziele und eine klare Definition der jeweiligen Beiträge erfordern.

Aufgrund der bereits durchgeführten Dämmungsmaßnahmen und des Vorhandenseins von Typ 33 Heizkörpern bestehen theoretische Möglichkeiten für die Integration von Wärmepumpen in das bestehende hydraulische System. Allerdings wären hierfür Außengeräte mit besonders kompakten Abmessungen erforderlich, da die räumlichen Gegebenheiten begrenzt sind.

Als alternative Ansätze kämen möglicherweise auch andere Wärmequellen in Betracht, beispielsweise die Nutzung von Grundwasser durch Direktverdampfung, falls die geologischen und rechtlichen Voraussetzungen gegeben wären. Eine weitere Variante könnte die systematische Weiterentwicklung der Rollladenintegration für Luft-Luft-Wärmepumpen sein, da diese Lösung auch für Mieter ohne umfangreiche bauliche Eingriffe nutzbar wäre.

Entwicklung und Schutzrechte: Einige der entwickelten Ideen und Lösungsansätze wurden bereits zum Schutz beim Patentamt eingereicht. Diese könnten möglicherweise als Grundlage für weitergehende Forschungsprojekte oder Produktentwicklungen dienen, wobei entsprechende Kooperationsvereinbarungen zu treffen wären.

Beratung für Energieagenturen: Das bei effiziente.st gesammelte Erfahrungswissen könnte potentiell bei der Entwicklung von Informationskampagnen oder Beratungsangeboten zum Thema Gasthermen-Stilllegung in historischen Gebäuden eingesetzt werden. Hierbei wäre jedoch wichtig zu betonen, dass jedes Gebäude individuelle Gegebenheiten aufweist und pauschale Lösungen nicht existieren.

Datensammlung für Großwärmepumpen-Projekte

Im Bereich der großtechnischen Anwendungen beschäftigt sich effiziente.st auch mit der messtechnischen Erhebung von Betriebsdaten für Flusswasser-Großwärmepumpen. Durch kontinuierliche Temperaturmessungen des Flusswassers sowie der relevanten Systemtemperaturen werden Datengrundlagen geschaffen, die zur Abschätzung der Leistungsziffer (COP) unter realen Betriebsbedingungen herangezogen werden können.

Die so gewonnenen Messwerte könnten als Basis für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen dienen und Investitionsentscheidungen auf eine fundierte Datengrundlage stellen. Allerdings ist zu beachten, dass die tatsächlich erreichbare Effizienz von vielen Faktoren abhängt und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Standorte sorgfältig geprüft werden müsste.

Die kontinuierlichen Messungen am Augartensteg unterstützen beispielsweise Überlegungen zu einem kaskadierten Flusswasser-Konzept, bei dem mehrere große Wärmepumpen entlang der Fernwärmeleitung gestaffelt eingesetzt werden könnten. Ob und in welcher Form sich solche Konzepte realisieren lassen, hängt jedoch von einer Vielzahl technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Faktoren ab.

effiziente.st · 8020 Graz, Österreich — Kontakt: office@effiziente.st · +43 680 214 1094
Hinweis: Alle beschriebenen Lösungen und Ergebnisse sind als experimentelle Erfahrungswerte zu verstehen. Eine Übertragbarkeit auf andere Gebäude oder Situationen kann nicht garantiert werden. Bei konkreten Projekten sollten stets qualifizierte Fachplaner hinzugezogen werden.